Dienstag, 18. Mai 2010

Die Bausteinkrise

Es war einmal, in einer kleinen Stadt, ein Bauhof, der hatte zehntausend Bausteine. In dieser Stadt gab es viele Leute die sich ein Haus bauen wollten, für welches man jeweils fünftausend Bausteine benötigte. Wie du bereits leicht errechnet hast, können mit den zehntausend Bausteinen also zwei Häuser gebaut werden. Wer gehört nun zu den glücklichen, die sich ein Haus bauen können?

Alle Leute strömen zu dem Bauhof und versuchen den Besitzer dazu zu überreden ihnen die Bausteine zu geben. Dabei überbieten sie sich jeweils mit ihren Angeboten: "Ich biete dir einen Taler, für einen Stein," rief jemand. "Ach was," rief ein anderer, "ich biete dir zwei Taler." So ging das den ganzen Tag und nach und nach ging der eine und andere nach Hause, weil die Preise so hoch wurden, das er für diese Preise die Steine nicht mehr kaufen wollte oder konnte.

So blieben am Ende nur noch zwei Leute übrig die jeweils die fünftausend Bausteine kauften und beginnen konnten, sich ein Haus zu bauen. Man vereinbarte mit dem Bauhofbesitzer, dass er jeden Monat jeweils tausend Bausteine an die Baustellen liefern solle. So geschah es dann auch:

Im ersten Monat wurden also zweitausend Bausteine - jeweils tausend für jede Baustelle - ausgeliefert und zurück blieben achttausend Bausteine. Im zweiten Monat wurden wieder zweitausend Bausteine ausgeliefert, so dass nur noch sechstausend Bausteine im Bauhof zurückgeblieben. Du weißt schon wie es weiter geht: Nach fünf Monaten waren alle Bausteine ausgeliefert und zwei fertige Häuser standen da.

Das war nun nicht sehr aufregend. Schauen wir nun in eine andere Stadt! Auch dort gibt es einen Bauhof mit zehntausend Bausteinen, aber in diesem Bauhof ist es so unübersichtlich und die Bausteine sind dort so unordentlich gelagert, dass man sich sehr leicht verzählen kann. Deshalb glauben der Bauhofbesitzer und alle anderen in der Stadt, dass sich zwanzigtausend Bausteine im Bauhof befinden, obwohl es nur zehntausend sind.

Auch hier versuchen nun alle Leute, die sich ein Haus bauen wollen, die Steine zu kaufen und dem Bauhofbesitzer ein Angebot zu machen. Da aber die Leute glauben, dass zwanzigtausend Bausteine da sind, glauben sie auch, dass vier Häuser gebaut werden können. Die Preise für die Bausteine steigen also nicht ganz so hoch wie in unserer ersten Stadt und so bleiben am Ende vier Leute übrig, die mit dem Bauhofbesitzer vereinbaren, dass er für fünf Monate, jeden Monat jeweils tausend Bausteine an die vier Baustellen liefert.

Oh weh! Du ahnst schon was passieren wird. Im ersten Monat geht noch alles gut: Viertausend Bausteine werden ausgeliefert und es werden die Fundamente der vier Häuser errichtet. Die Bewohner der Stadt schauen sogar mit ein wenig Schadenfreude und Stolz auf die andere Stadt, in der sich nur zwei Leute leisten können ein Haus zu bauen. "Bei uns," sagen sie, "können Häuser viel billiger gebaut werden und darum geht es uns viel besser."

Auch im zweiten Monat läuft noch alles wie geplant. Die Grundmauern der vier Häuser stehen schon fast und die Leute glauben, dass noch genug Bausteine vorhanden sind. Aber im Bauhof liegen nur noch zweitausend Bausteine und als im dritten Monat wieder viertausend Bausteine geliefert werden sollen, läuft der Bauhofbesitzer völlig verzweifelt durch sein Lager und findet nicht mehr als diese zweitausend Bausteine.

Als dies die Leute auf der Baustelle erfahren, versucht jeder noch die restlichen zweitausend Bausteine für sich zu ergattern und sie überbieten sich wieder gegenseitig, so dass der Preis für die Steine plötzlich mit riesiger Geschwindigkeit nach oben geht. Aber es nützt alles nichts mehr. Auch mit den verbliebenen zweitausend Bausteinen kann nicht ein einziges Haus fertig gestellt werden.

Zurück bleiben vier Bauruinen, die mit so viel Enthusiasmus begonnen wurden. Wo man am Anfang noch glaubte dass sich gar vier Leute ein Haus bauen können, steht nun kein einziges.

Und die Moral von der Geschichte? Räum immer schön dein Zimmer auf, mein Kind und lass deine Bausteine nicht überall verstreut herumliegen, sonst bist du schuld an der nächsten Wirtschaftskrise.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Ellenbogenmentalität

Den folgenden Text veröfentlichte ich am 07.11.2007 auf der Plattform liberty.li. Dort ist er aber nicht mehr erreichbar, so dass ich ihn nun hier einstelle:

Marktwirtschaft, das heißt Wettbewerbswirtschaft, Konkurrenzwirtschaft. Damit verbinden wir Egoismus und Ellenbogenmentalität, jeder gegen jeden, Gewalt und Krieg, "soziale Kälte". So etwas wollen wir nicht. Müssen wird dann nicht folgerichtig dieses unmenschliche "System" ablehnen?

Nein, denn die Überlegungen die dahinter stehen, sind schlicht falsch. Natürlich gibt es in der Marktwirtschaft einen Wettbewerb - wenn auch in weniger drastischer Weise, als wir uns das allgemein vorstellen - doch ist dieser Wettbewerb nicht das bestimmende Prinzip dieser Ordnung. Er ist vielmehr die Folge eines wesentlich umfassenderen und allgegenwärtigeren Prinzips der Gesellschaft in der wir leben: Der Zusammenarbeit.

Die Grundlage der modernen Wirtschaft ist die Arbeitsteilung: Der Dienst gegenüber den anderen und der Dienst des anderen uns gegenüber (darum auch "Verdienst" und "verdienen"), der friedliche (weil ungezwungene) Tausch von Gütern und Leistungen zwischen Menschen.

Das dadurch natürlich Wettbewerb entsteht, da ein anderer auch einer bestimmten Person dienen will, der auch ich ein Angebot mache, folgt aus dieser gewaltlosen Zusammenarbeit.

Das ist prinzipiell nicht anders als wir auch in Liebesbeziehungen verfahren. Auch dort wollen wir einer Person dienen und auch dort haben wir möglicherweise Nebenbuhler, die um die Gunst der oder des Angebeteten wetteifern - konkurrieren. Und da wie dort findet dieser Wettstreit größtenteils friedlich statt. Natürlich ist es enttäuschend, ja schmerzhaft wenn die geliebte Person einen nicht erhört und sich für jemand anderen entscheidet. Aber ist das Grundprinzip der menschlichen Liebe deswegen die Konkurrenz und das Gegeneinander oder doch eher das Miteinander, das Füreinander?

Der Bezug auf die Liebe ist, weiß Gott, nicht weit hergeholt, denn es geht allgemein um menschliche Beziehungen. Wenn Menschen miteinander leben, dann gibt es Konflikte bei ihren Zielen. Der Grund warum sie aber dennoch nicht sofort die menschliche Gemeinschaft auflösen und jeweils ein Einsiedlerleben führen, liegt in dem Nutzen begründet, den das menschliche Zusammenleben mit sich bringt. Der Mensch ist ein soziales Wesen, weil es sich für ihn als nützlich erwiesen hat, weil die Kooperation in der Gemeinschaft die in der Gemeinschaft auftretenden Konflikte bei weitem überwiegt.

Wer die Konkurrenz beseitig sehen will, muss die menschliche Gesellschaft zerstören, denn die Konkurrenz ist die logische Folge aus dem friedlichen und freiwilligen Miteinander der Menschen und deren verschiedenen Zielen. Wer den Wettbewerb abschaffen will, der muss die Ziele der Menschen gleichschalten, der muss jedem seinen Platz in der Gesellschaft zuweisen, der muss bestimmen, wer mit wem wie in Beziehung tritt. Dieser Planer muss die Menschen als willenlose Maschinen betrachten, er muss Gewalt anwenden, er muss letztendlich den sozialen Menschen zerstören.

Es ist richtig, dass es Menschen gibt, die versuchen ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen. Dies gilt sowohl im Wirtschafts- wie auch im Liebesleben. Das kann man aber weder der menschlichen Zusammenarbeit noch der menschlichen Liebe anlasten, sondern nur den konkret so handelnden Menschen. Mord, Diebstahl und Lüge sind auch in der Marktwirtschaft Mord, Diebstahl und Lüge und werden in jeder menschlichen Gesellschaft entsprechend geächtet.

Obwohl es also auch zu Morden aus Eifersucht, Betrug und sogar zu Diebstahl im Bereich der Liebe kommen kann, würden wohl nur die wenigsten die Liebe als mörderisch, betrügerisch oder gar unmenschlich bezeichnen.

Und ebenso verfehlt ist es, das freie Handeln der Menschen in einer Marktwirtschaft so zu titulieren.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Ja, es gibt Konkurrenz in der Marktwirtschaft, aber jeder, der in den Supermarkt, beim Bäcker, Fleischer oder Gemüsehändler einkaufen geht, der sein Auto in die Werkstatt, seinen Kopf (plus Körper) zum Frisör oder sein Tier zum Tierarzt bringt, der einen Internet- oder Telefonanschluss nutzt, der Strom oder Wasser verbraucht, der sich ein Haus baut oder zur Miete wohnt, der kurz zum Großteil seines Lebens die Dienste und Güter anderer Menschen nutzt und seinerseits solche anbietet, wird sehen, dass das menschliche Zusammenleben viel mehr ein Miteinander denn ein Gegeneinander ist.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Hoffnung für das Internet

Die Kritiker von zu viel Markt wird es freuen: Demnächst wird endlich Schluss sein mit dem unsäglichem "Laissez-faire" des Internets. Der Staat - jener unfehlbare Schützer aller Menschen - wird auch hier hoffentlich bald regulierend eingreifen.

Es geht in die richtige Richtung.

(Ich überlege, ob ich eine Kategorie "Resignation" anlegen sollte.)