Dienstag, 29. Mai 2012

Sanktionen


Der Lehrstuhl, bei dem ich meine Bachelorarbeit schreiben will, schlug mir vor mich mit Sanktionen aus ökonomischer Sicht zu beschäftigen. Als Einstiegsliteratur wurde mir der Artikel "Are Sanctions Effective? A Game-Theoretic Analysis" von George Tsebelis zur Verfügung gestellt.

Der Artikel

Tsebelis geht den Fragen nach, wie effektiv Sanktionen von Staaten gegen andere Staaten sind, was die Gründe für eine niedrige Effektivität sind, was die theoretisch optimale "Sanktionsmenge" auf der einen bzw. "Kooperationsmenge" auf der anderen Seite ist, und von welchen Faktoren diese optimalen Mengen abhängen.

Hierfür betrachtet er sechs Szenarien in einem Spiel mit einem Sanktionssender und einem Sanktionsempfänger und variiert verschiedene Modellparameter, wie z.B. das den Spielern zur Verfügung stehende Wissen, die Reihenfolge ihrer Entscheidungen oder die Skalierbarkeit ihrer Mengenwahl.

Er kommt zu dem Schluss, dass die jeweils optimalen Mengen unabhängig sind von den von ihm variierten Parametern. Als besonders wichtige Erkenntnis hebt Tsebelis hervor, dass die optimale Sanktions- bzw. Kooperationsmenge des jeweiligen Spielers nicht von seinen eigenen erwarteten Einnahmen und Kosten abhängt, sondern stattdessen von denen seines Gegenspielers.

Konkret heißt dies, dass der von Sanktionen bedrohte Spieler seine Kooperationsbereitschaft nicht ändern wird, auch wenn sich die Kosten, die sich durch eine Kooperation oder Sanktion für ihn ergeben, ändern. Sollten sich jedoch die erwarteten Einnahmen bzw. Kosten für seinen Gegenspieler ändern (wird z.B. Sanktionieren günstiger) beeinflusst dies sehr wohl seine Kooperationsbereitschaft, nicht jedoch aber die Bereitschaft zur Sanktion eben dieses Gegenspielers.

Die durch dieses Ergebnis widerlegte Vorstellung, dass nur die eigenen Kosten und Einnahmen Auswirkungen auf Entscheidungen eines Akteurs haben, bezeichnet Tsebelis als den "Robinson-Crusoe-Irrtum".

Die konkreten Handlungsempfehlungen für Länder, die durch Sanktionen andere Länder zu einem gewünschten Verhalten zwingen wollen, lautet dann auch, nicht zu versuchen die Kosten für das Empfängerland zu erhöhen (z.B. durch härtere Sanktionen) sondern statt dessen die eigenen Kosten, die einem durch Sanktionen entstehen zu minimieren.

Eine Überprüfung seiner theoretischen Erkenntnisse versucht Tsebelis durch einen Abgleich mit einer empirischen Studie, welche sich mit internationalen Sanktionen seit dem ersten Weltkrieg bis Mitte der 1980er Jahre beschäftigt.

Diese Studie leitet aus den empirischen Daten Handlungsempfehlungen ab, die Tsebelis nun entsprechend theoretisch begründet.

Nicht mein Thema

In der Abschlussarbeit soll ich mir einige Fragen überlegen, die ich dann versuchen soll in dieser Arbeit zu beantworten. Von großem Vorteil - weil motivationssteigernd - ist es, wenn man persönlich an den Antworten auf diese Fragen interessiert ist, und hier mangelt es mir leider an Interesse. Warum genau kann ich nicht sage. Zum einen bestimmt, weil mich Außenpolitik nicht so sehr interessiert.

Aber auch der Versuch, den Themenbereich von der internationalen Ebene auf die lokale Ebene zu übertragen (z.B. die Nutzung von Sanktionen zur Bereitstellung von öffentlichen Gütern ohne staatlichen Zwang) ließ in mir, zumindest bis jetzt, keine mich interessierende Fragestellung aufkeimen.

Ich bat deswegen meinen Betreuer, mir ein anderes Thema zuzuweisen bzw. mich vielleicht noch anders für dieses Thema zu motivieren.

Vielleicht liegen meinen Lesern ja auch zu diesem Bereich Fragen auf den Herzen, die mich auch dazu motivieren können mich doch noch mit diesem Thema tiefer auseinanderzusetzen.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Sozialingenieurtum II: Freigeld


Hach, wie einen die alten Ideen wieder einholen: Zuerst wollte ich einen Artikel über eine alternative Freigeldlösung schreiben. Bei der Suche nach dem entsprechenden Aufhänger, habe ich dann gesehen, dass diese Idee so schon von anderen Ökonomen diskutiert wird. Gesell ist also in der Krise bekannter geworden. Dennoch möchte ich hier meine Überlegungen ausführen.

Nach der österreichischen Schule der Ökonomie ist die Kreditschöpfung der Geschäftsbanken maßgeblich für die Entstehung eines Boom-and-Bust-Zyklus verantwortlich. Die moderne Makroökonomie sieht die Inflation jedoch als eine Methode das Geld am Umlaufen zu halten und so wiederum Rezessionen zu verhindern.
Wieso also nicht eine Methode entwickeln, die den Geldumlauf aufrechterhält, aber nicht auf Inflation über Kreditschöpfung angewiesen ist?

Hier nun mein Vorschlag einer etwas eleganteren Variante:
  1. Prüfen, ob die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes objektiv gemessen werden kann.
  2. Wenn ja, dann ein Gesetz machen: Wenn die Umlaufgeschwindigkeit 3 Wochen hintereinander unter dem Wert X liegt, wird die aktuell umlaufende Geldmenge widerrufen. Die alten Geldscheine und Münzen können bei der Zentralbank gegen neue getauscht werden, jedoch mit einen Abschlag von 10 %. Zentralbankguthaben wird ebenfalls um 10 % vermindert.
  3. In den wöchentlichen Nachrichten wird die aktuelle Umlaufgeschwindigkeit bekanntgegeben, mit der kurzen Erwähnung dieses Gesetzes.

Ich möchte vermuten mal, dass so der Umlauf des Geldes oberhalb eines bestimmten Niveaus gehalten werden kann, ohne dass dieses Gesetz je angewendet werden muss. Und wir hätten die negativen Effekte der Inflation nicht.

Freitag, 4. Mai 2012

Potentielle Abschlussarbeitsthemen


Für meine Bachelorrarbeit hatte ich mir einige Themen überlegt, die ich gerne bearbeitet hätte. Die ersten vier habe ich meinem Betreuer als Vorschlag geschickt, dieser schlug allerdings ein anderes Thema vor (welches ich im nächsten Blogeintrag vorstellen werde).

Hier nun meine Ideen zu möglichen Themenfeldern.

Öffentliche Güter:

Interessant fände ich die Auseinandersetzung mit der Theorie, dass ohne staatlichen Zwang keine öffentlichen Güter bereitgestellt würden. Hier könnte zum einen überprüft werden, ob es empirische Belege gibt, die diese Aussage widerlegen bzw. einschränken. Zum anderen könnten alternative Theorien untersucht werden, die Erklärungen anbieten, wie öffentlicher Güter auch ohne staatlichen Zwang bereitgestellt werden können und unter welchen Randbedingungen (z.B. nur bis zu einer bestimmten Gruppengröße oder unter bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen o.Ä.)


Intellektuelles Eigentum:

Urheber- und Patentrecht sind ja der Versuch öffentliche Güter (Informationen) durch Private bereitstellen zu lassen. Zurzeit findet in der Gesellschaft ja auch eine Diskussion über die mögliche Neugestaltung des Urheberrechts statt. Was sagt die Ökonomie dazu? Gibt es vielleicht auch empirische Untersuchungen, die verschiedene Rechtsmodelle auf ihr Kosten-Nutzenverhältnis untersuchen? Z.B. wird das Patenrecht damit gerechtfertigt, dass ohne dies keine teuren Investitionen unternommen würden. Jedoch zeigt die Erfahrung auch, dass auch sogenannte "Trivialpatente" patentiert werden, deren geringe Entwicklungskosten einen solchen Monopolstatus kaum rechtfertigen. Überwiegt also beim Patenrecht der Nutzen durch Erfindungen die sonst nicht gemacht würden oder eher die Kosten durch Monopole, die sonst nicht existieren würden?


Privatisierung:

Über die Vor- und Nachteile von Privatisierungen gibt es in der Politik ja verschiedene Meinungen. Was sagt die Ökonomie dazu? Welche Bereiche können mit garantiertem Nutzen privatisiert werden? Welche sollten auf keinem Fall privatisiert werden? Welche Strategien der Privatisierung gibt es? Könnte ein Staatsunternehmen z.B. in eine AG umgewandelt werden und deren Aktien dann an die Bürger aufgeteilt werden? Welche Erfahrungen gibt es dazu?


Haftung:

Laufen Haftungsbeschränkungen der Idee der Marktwirtschaft, in der Gewinne und Verluste dem Verursacher zuzuschreiben sind, nicht zuwider? Führen Haftungsbeschränkungen vielleicht gerade zu unverantwortlicherem, risikoreicherem Verhalten? Wie müssten Kapitalgesellschaften ohne Haftungsbeschränkungen organisiert sein? Wären große Kapitalgesellschaften dann überhaupt noch möglich? Wäre dies schlecht, weil größere Projekte dann nicht mehr möglich wären oder wäre dies sogar gut, weil damit auch ein "To big to failed" nicht mehr mögliche wäre? Was wäre der Nettoeffekt?


Cantillon-Effekt:

Dem Cantillion-Effekt nach führt Inflation zu einer Umverteilung, zu denen, die das neu herausgegebene Geld als erstes erhalten, von denen, die das Geld als letztes erhalten. Ist dieser Effekt empirisch nachweisbar? Wie groß ist er? Welche geldpolitischen Folgen kann diese Erkenntnis haben?


Alternative Gewerkschaftsstrategien:

Welche alternativen Strategien zum Streik haben Arbeitnehmer bzw. die Gewerkschaften, um Ihre Forderungen umzusetzen? Wäre zum Beispiel der Kauf von Unternehmensanteilen statt Streiks zumindest langfristig erfolgsversprechender? Zum einen würde man von den Gewinnausschüttungen profitieren, zum anderen säße man bald auf beiden Seiten des Verhandlungstisches und könnte seine Gehaltsforderungen einfach umsetzen.


Bildungssystem:

Welche empirischen Erfahrungen gibt es bzgl. der Bildungspflicht gegenüber der Schulpflicht? Wie sieht es mit Schulgutscheinen aus?