Donnerstag, 26. Juli 2012

Rationalisierung und Monopoly

Ein Freund schickte mir vorgestern eine Mail mit einigen Fragen, die ich doch in meinem Blog beantworten könne. Ich versuche es hiermit einmal.

"[...] man hört ja Sachsen. Foxcon kauft Industrieroboter. Sie sind jetzt schon billiger als chinesische Wanderarbeiter.
An der Supermarktkasse kann ich selber meine Einkäufe scannen. Kein Angestellter kümmert sich um mich. Die Maschnine ist billiger.
Da ist das Gerede von zwei Möglichkeiten, einer noch größeren Schere zwischen Arm und Reich, weil die Armen keinen Job finden. Und dann das neue Athen, wo Maschinen unsere Sklaven sind, und wir müßig in der Sonne sitzen und philosophieren können.
Zweiteres klingt ein bischen nach Kommunismus, denn irgendjemand muss die Reichtümer umverteilen. Wir sind ja eben doch geizig.
Damit ist die Schere der plausiblere Weg."

"[...] Wenn nur noch die Besitzer der mächtigen Maschinen Geld bekommen, weil sie alle Arbeitskraft inne haben, wo ist dann der Markt? Das Heer der (z.T. unfreiwillig) Arbeitslosen kann die ganzen produzierten Güter gar nicht mehr kaufen, weil ihnen das Geld fehlt."

"[...] So lange die Technik dumme Sklaven sind, die nur auf Kommando des Inhabers produzieren, kommt doch der Tag, wo sich das System selbst abschafft."

"[...] Wie wird es weiter gehen mit dieser Welt?"

Das kommt auf die Modellannahmen an und da gibt es keine einheitliche Meinung. Die klassische Ansicht zur Rationalisierung (Siehe Bastiat, "Was man sieht und was man nicht sieht" Kapitel: "Die Maschine") geht davon aus, dass die Unternehmen in Konkurrenz miteinander um Kunden und Arbeitskräfte stehen und die Arbeiter schnell ihre Qualifikation ändern können.

Unter diesen Annahmen würden die technischen Verbesserungen, die eine Firma einführt bald von anderen Firmen übernommen. Durch den Wettbewerb würden die Einsparungen zu Preissenkungen führen, was bedeutet, dass die Kunden die Produkte billiger kaufen können. Die Einsparung die die Kunden dadurch habe, geben sie dann für andere Produkte aus, deren Nachfrage sich entsprechend erhöht. Die an dieser Stelle ansteigende Produktion saugt dann die freien Arbeiter auf. Im Ergebnis hat sich der Wohlstand für alle demnach erhöht.

Diese Theorie baut auf der Aussage Say's auf, nachdem jedes Einkommen, welches man durch Produktion erlangt, auch sofort wieder zum Erwerb von produzierten Gütern verwendet wird.

Das wird nun wieder von anderen Modellen angezweifelt (ich nenne mal Keynes, aber da ich ihn nicht gelesen habe, beziehe ich mich lieber auf die Freiwirtschaftslehre, die ich kenne).

Diese gehen davon aus, dass mit zunehmenden Geldeinkommen das Geld immer weniger für Konsum - und wenn sich keine lukrativen Investitionen bieten, auch nicht für diese - ausgegeben wird. Stattdessen wird das Geld gehortet und fragt die produzierten Güter eben nicht nach.

Die Antwort der Freiwirtschaftslehre ist nun eine Gebühr auf die Geldhortung zu legen, um damit eben den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten.

Eine andere, teilweise heute angewendete Lösung ist die, dass der Staat das Geld wieder hervorlocken soll. Dies soll er zum einen dadurch tun, dass er Schulden aufnimmt (also Anlagemöglichkeiten bietet, die attraktiver sind als die Geldhortung) und mit dem so aufgenommenen Geld die produzierten Güter vom Markt nachfragt. Zum anderen solle er immer eine "leichte" Inflation fahren (bzw. vielmehr dafür sorgen, dass die Menschen glauben, er würde inflationieren) um die Geldhortung eben unattraktiver zu machen (da das liegende Geld ja immer weniger wert wird) und so den Geldfluss am Laufen zu halten.

Inflation sehen nun aber die Österreicher als problematisch an. Zum einen führe der Cantillon-Effekt zu einer Umverteilung von denjenigen bei denen das neue Geld als letztes ankommt (z.B. Bezieher fester Einkommen, Rentner) hin zu jenen, die das frische Geld als erstes erhalten (z.B. Finanzindustrie). Zum anderen verzehre Inflation die Preisstruktur und führe zu Fehlinvestitionen (Blasen) die regelmäßig fehlschlagen (platzen) und zur Krise führen. Geldhortung ist für die Österreicher kein Problem, da eine geringe Nachfrage letztlich zu sinkenden Preisen führe, so dass die Geldhortung einzelner sogar den Wohlstand aller erhöhe.

Keynes hingegen meint, dass dieses Sinken der nominalen Preise (und Löhne) jedoch in der Realität nicht möglich sei, da hier die Preise (kurzfristig) rigide (starr) sind, weswegen Kauf- und Investitionszurückhaltung also doch staatliche Interventionen notwendig machen würden (siehe oben!).

Das ist jetzt nur ein grober Überblick über die Theorien die mir bis jetzt begegnet sind.

"Bei Monopoly gibt es immer nur einen Gewinner und kurz vorher kann schon niemand mehr die vollständige Schlossalleemiete zahlen. Am Ende reicht es nicht mal mehr für das Hotel der Badstraße."

Die Spielregeln von Monopoly stellen natürlich auch nur ein Modell dar, das mit der Realität nur bedingt übereinstimmt (und darauf ausgelegt sind, dass es nur einen Gewinner gibt. Ein Spiel, dass ewig geht, weil nie jemand verliert, würde wahrscheinlich niemand spielen). Allerdings kann man hier wenigsten ohne moralische Bedenken experimentieren und beobachten, was sich verändert.

Ich würde z.B. mal spontan zwei Regeländerungen einführen, um das Modell vielleicht etwas realistischer zu machen.
  1. In der Realität unterliegen wir gewissen Zwängen, aber haben doch schon die eine oder andere Wahlmöglichkeit. Ich würde deswegen zwar schon den Würfelwurf beibehalten (Zwang), jedoch als kleine Wahlmöglichkeit einführen, dass der Spieler entscheiden kann, ob er auf dem gewürfelten Feld zum Stehen kommt, oder bereits ein Feld zuvor. Wenn er also z.B. eine Zwölf würfelt, dann kann er entscheiden, ob er zwölf Schritte geht, oder nur elf, bei einer acht, acht oder sieben usw.
  2. Auch bei der Preisgestaltung ist der Anbieter eines Produktes in der Realität etwas flexibler. Auch der Besitzer einer Straße soll die vorgegebenen Mieten nicht einfach so hinnehmen müssen, sondern diese nach eigenen Wünschen (nach oben oder unten) verändern können und diese jeweils immer für eine gewisse Zeit (z.B. zwei Runden? um die kurzfristige Rigidität abzubilden) festsetzen.

Bin gespannt, wie sich solch ein Monopolyspiel entwickeln würde.

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Freitag, 20. Juli 2012

Datenschutzskandal im Kindergarten

Man ist ja sensibilisiert. Facebook und Co. sage ich nur! Ich bin ja nicht von gestern; bin ja topfit in den "neuen Medien".

Gestern also brachte unser Kind so ein "Facebook" mit nachhause und sollte es ausfüllen. "Meine Kindergartenfreunde" - ha. Da werden sensibelste Daten abgefragt. U.a. Name, Geburtsdatum, Lieblingsessen, Lieblingsspiele, ein Foto und eine eigene Zeichnung.

Da war ich aber sofort auf der Hut und habe das gleich konfisziert. Daraus lassen sich doch Persönlichkeitsprofile bis zu den Urgroßeltern erstellen. Die eigene Zeichnung dient ganz klar der graphologischen Analyse, um Rückschlüsse auf den psychologischen Zustand zu ermöglichen.

"Wer hat Dir diesen Trojaner in den Rucksack geschmuggelt?" fragte ich mein Kind. Ihre Freundin hätte es ihr gegeben. Ein Skandal! Da werden Kinder schon Opfer der Adresshändler.

Na ihrer Freundin habe ich aber heute mal die Meinung gegeigt: Was sie sich erlaube. Ob sie denn kein Unrechtsbewusstsein hätte. Dass ich beim nächsten Mal meinen Anwalt einschalten werde.

Die Kindergärtnerin forderte mich daraufhin auf, ich solle das Kind nicht so anmotzen. Ich solle jetzt gehen und das Buch doch bitte wieder ihrer Besitzerin geben. Aha, der ganze Kindergarten steckt da also mit drin. Institutionalisierter Datenklau.

Ich habe gleich mal eine Eingabe beim Bundesdatenschutzbeauftragten gemacht.