Sonntag, 23. August 2009

Selbstkritik

in einem meiner vorherigen Beiträge wies ich darauf hin, wie sehr mich jene Diskussionsteilnehmer beeindrucken, die in ihren Ausführungen immer sachlich bleiben und deren Beiträge nie aggressiv und gerade darum so überzeugend wirken.

Jene Personen sind in einschlägigen Diskussionsforen eine wahre Seltenheit. Überwiegend trifft man meistens auf die Hitzköpfe, die sich durch jedes Kommentar an den Karren gefahren fühlen und deren Antworten immer verbale Angriffe sind.

Ich denke mir immer, wenn ich solche Auseinandersetzungen lese: Man, was ihr euch dadurch verschenkt. Denn überzeugen tut ihr damit niemanden, da die meisten Menschen dann immer in Verteidigungshaltung gehen; und wenn sich jeder in seinem ideologischen Bunker verschanzt, nur noch seine Argumente nach Draußen schießt, die Argumenten des anderen aber abwehren will, dann ist die ganze Diskussion schon verloren.

Dass mich dieses Verhalten bei anderen so ärgert nennen die Psychologen glaube ich Projektion. Man projetziert jene Verhaltensweisen die man an sich nicht leiden kann auf andere und kritisiert diese dann.

Mein letzter Kommentar ist dafür wieder ein (Negativ-) Beispiel (Nicht für die Projektion, sondern für das Verhalten).

Er ist, um es kurz zusammenzufassen, sarkastisch (besser bissig) und aggressiv. Ich weiß, dass damit keine gewinnbringende Diskussion geführt werden kann. Er ist entweder dazu geeignet die Diskussion zu beenden oder führt nur, wenn sich mein Gegenpart nicht wesentlich besser unter Kontrolle hat als ich, zu einer gleichartigen Antwort.

Soviel also sehr kurz zur Fehleranalyse. Was hätte ich also besser machen können?

Ich denke, dass ein Finden von Übereinstimmungen zu Beginn ein guter Anfang gewesen wäre. Konkret vielleicht in der Art "ich stimme dir zu, dass in vielen Bereichen private Alternativen existieren und dass..."

Wie bekomme ich nach jenem Absatz nun den Dreher zu jenen Punkten bei denen ich anderer Meinung bin ohne hier nun gleich wieder in Kampfhaltung zu gehen? Vielleicht in dem ich, statt zu sagen "ich bin aber anderer Meinung" die Überleitung eher so formuliere: "Einige Sachverhalte stimme mich aber noch nachdenklich." Schwierig.

Jene Punkte hätte ich dann einfach nur aufzählen sollen, evtl. mit einer nach Bestätigung bittenden Frage. "Ein Angestellter hat heute aber erst eine Wahl zwischen GKK und PKV, wenn.... Sehe ich das richtig?"

Argumente lassen sich auf diese Weise auch einfacher bestätigen oder entkräften.

Naja, vielleicht gelingt es mir bei meinen nächsten Kommentaren mich an meine Vorschläge zu halten (bei den Beiträgen wird es mir noch schwerer fallen.)

Dienstag, 18. August 2009

Marktwirtschaft abschaffen

Warum nicht die Marktwirtschaft abschaffen? Was spricht eigentlich gegen eine zentral geplante Wirtschaft?

In Gesprächen wird mir oft gesagt, dass die Marktwirtschaft zwar ihre Berechtigung hätte (warum?) aber für die wirklich wichtigen Dinge, wie z.B. Bildung oder Gesundheitsversorgung, ginge das nicht. Hier muss der Staat ran.

Mit der Logik komme ich nicht ganz klar, oder anders: Ich verstehe nicht, wieso meine Gesprächspartner in anderen Bereichen marktwirtschaftlich verfasste Subkulturen tolerieren? Hat es was mit Mitleid zu tun? Wollen sie den ewig Gestrigen einige Räume lassen in denen diese - unter Ausschluss der genannten wichtigen Bereiche - gefahrlos Kapitalismus spielen dürfen?

Sehr wahrscheinlich denke ich nur zu verquer. Denn wenn ich wichtige und kritische Aufgaben zu vergeben habe, dann werde ich - denke ich mir zumindest - nur den Besten der Besten mit diesen Aufgaben betreuen.

Ich werde meine Gesundheit oder die Erziehung und Bildung meiner Kinder nicht in die Hände des Zweitbesten legen; und ich vermute mal, dass dies für die Menschen im Allgemeinen gilt. Wenn die Menschen also die staatliche Steuerung für diese Bereiche gewählt haben, dann doch nur, weil staatliche Steuerung das Beste ist was sie unter den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten finden konnten.

Wenn wir also mit dem Staat diesen genialen Problemlöser an der Hand haben, wieso begnügen wir uns in anderen Bereichen immer noch mit der schlechteren Lösung des Marktes? Wenn der Staat seine Kompetenz schon in den wirklich wichtigen und kritischen Bereichen gezeigt hat, dann sind für ihn die weniger wichtigen Bereiche unseres Lebens doch mit Leichtigkeit zu bewältigen - und wir würden von der besseren Aufgabenbewältigung doch nur profitieren.

Warum tun wir uns aber trotzdem noch an der einen oder anderen Stelle den Markt an? Ich verstehe es nicht.

Dienstag, 11. August 2009

Philosophie der Freiheit

Die vielleicht einigen bereits bekannte Flashanimation "The Philosophy of Liberty" gibt es nun auch in Deutsch.

Wer also eine kurze Einführung in die Philosophie der Freiheit (und dem ihr zugrunde liegenden "Nichtaggressionsprinzip", welches wiederum auf dem Selbsteigentum aufbaut) bekommen möchte, kann diese nun in mehreren Sprachen tun.

Montag, 3. August 2009

Mehr Regeln, mehr gut?

Regeln schränken die Handlungsspielräume der Menschen ein. Das ist die Vorstellung, die die meisten Menschen von Regeln haben. Ein Mehr an Regeln geht demnach mit einem Mehr an Einschränkungen einher, während ein Abbau von Regeln eine Ausdehnung von Handlungsfreiheit bedeutet.

Wenn es also so aussieht, dass das unbeschränkte Handeln eines Menschen zu Problem führt, scheint es nur logisch nach mehr Regeln (Regulierung) zu verlangen, während ein Abbau von Regeln (Deregulierung) ziemlich dumm, wenn nicht gar bösartig erscheint.

Schauen wir uns hierzu eine kleine Kindergartengeschichte an, um daran die Gültigkeit der obigen Aussagen zu prüfen.

Der Kindergarten "Kleine Goldfische" hat als Maskottchen - wer hätte das gedacht - zwei kleine Goldfische in einem Goldfischglas. Dieses Goldfischglas steht, aus gewissen Erfahrungen heraus, außerhalb der normalen kindlichen Reichweite auf einem Schrank und wird nur zu den Fütterungszeiten (der Goldfische!) von den Erziehern heruntergehoben, damit die Kinder das zuvor dosierte Futter hineinstreuen können.

Da Kinder jedoch sehr einfallsreich sind und die Funktionsweise von Werkzeugen wie Stühlen oder Kisten erkannt haben, wird explizit eine Regel herausgegeben: "Kein Kind darf versuchen das Goldfischglas auf dem Schrank zu erreichen."

Dies funktionierte auch recht gut und die Kinder hielten sich an diese Regel (wie Kinder es im Rahmen ihres Kindseins, unter ständiger Beaufsichtigung und schnellem sanktionierenden Eingreifen tun - also wie letztlich auch Erwachsene). Aber bald kamen einige Eltern auf die Erzieher zu, versicherten ihr Verständnis für diese Regel, wiesen aber auch darauf hin wie sehr sich ihr Kind wünschen würde die Tiere auch außerhalb der Fütterungszeiten (der Goldfische!!) näher zu beobachten, und da schließlich ihr Kind schon ziemlich vernünftig sei...

So geschah es, dass die Erzieher sich genötigt sahen, die existierende Regel um eine weitere zu ergänzen. Erste Regel gelte zwar noch immer, aber bestimmte "vernünftige" Kinder durften mit einer extra dafür beschafften, kindgerechten Leiter die Goldfische wann immer sie wollten aus der Nähe betrachten.

Dies schien eine recht gute Lösung zu sein (sah man von dem Problem ab, festzulegen, wer nun vernünftig genug war, und dass bei den Kletterversuchen dieser Vernünftigen, ein Erzieher immer besonders aufmerksam sein musste, da A) es oft Streit gab, wer nun zuerst die Leiter besteigen durfte, B) die Kletterer das Konzept "Leiter" noch nicht zur Perfektion beherrschten und C) über das Anschauen hinausgehende Greifversuche unterbunden werden mussten).

Dennoch kam eines Tages ein resoluter Vater vorbei, verwies auf seine nicht unerheblichen Zahlungen zur Unterstützung des Kindergartens und brachte sein Unverständnis zum Ausdruck, warum sein überaus intelligenter und kräftiger Sohn nicht das Goldfischglas zum Spielen vom Schrank holen dürfe.

Die vorgebrachten Argumente wirkten recht überzeugend und so fügten unsere Erzieher eine dritte Regel hinzu, nach der es dem Sohn des erwähnten Vaters gestattet war, mit den Goldfischen außerhalb der Fütterungszeiten (der Goldfische!!!) zu spielen.

Kürzen wir das weitere Geschehen etwas ab: In der folgenden Zeit führten weitere intervenierende Eltern zu einem Anwachsen der "Regeln bezüglich der Nutzung eines Goldfischglases in der Kindertagesstätte 'Kleine Goldfische'".

Als es nun, zum Leidtragen der Kinder (und mehr noch der Goldfische - aber keine Angst: Für diese Geschichte mussten keine Tiere leiden) zu einem Vorfall kam, in dessen Verlauf das Glas zu Bruch ging, war allen Beteiligten klar: Diese Tragödie durfte sich nicht wiederholen!

Die einhellige Überzeugung war, dass dieser Unfall nur geschehen konnte, weil der Umgang mit dem Goldfischglas nicht genügend von den Erziehern reguliert wurde. Der Vorschlag eines Elternpaares, eher Regeln abzuschaffen ("alle, bis auf die erste") wurde nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln aufgenommen. Denn schließlich würde eine solche Deregulierung die Spielräume der Kinder im Umgang mit dem Goldfischglas doch nur erweitern und weitere Unfälle geradezu heraufbeschwören.

Samstag, 1. August 2009

Ricardos schwierige Idee

Arbeitsteilung und der auf ihr beruhende Tauschhandel kann nur zwischen annähernd gleichstarken, sprich gleichpotenten Partnern erfolgen. Denn nur wenn jeder in mindestens einer Sache besser ist als der andere, hat er überhaupt etwas anzubieten - lohnt sich also die Spezialisierung.

Denn wie sollte Arbeitsteilung zwischen zwei Partnern möglich sein, wenn der eine dem anderen in allem überlegen ist? Ein Tausch zwischen beiden wäre kaum für beide vorteilhaft. Was könnte der "Schwächere" den "Stärkeren" denn bieten? Wenn in irgendeiner Weise Handel zwischen den beiden zustande kommen würde, dann entweder weil der Stärkere den Schwächeren ausbeutet - dann hätte der Schwächere nicht davon - oder der Stärkere schenkt dem Schwächeren etwas von seiner Arbeitsleistung - ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Ich vermute, dass die vorherige Darstellung in etwa beschreibt, was ich vor einigen Jahren zu diesem Thema glaubte. Sicher weiß ich es nicht mehr. Da ich mich aber noch an meine Reaktion erinnern kann (beeindruckendes Zurückfallen in den Stuhl und ungläubiges Starren auf den Bildschirm) als ich mit der das Gegenteil behaupteten Theorie vertraut wurde, muss es wohl in diese Richtung gegangen sein.

Was war es nun, dass mich so beeindruckte? (Im Nachhinein wirkt es gar nicht mehr so erstaunlich und mein Geständnis eher peinlich. Aber dafür sind Blogs ja da.) Es war Ricardos Gesetz vom komparativen Vorteil. (Ok, das war jetzt nicht so überraschend wie "Die Illuminaten haben Elvis entführt!" und auch ein dramaturgischer Blitz-und-Donner-Effekt hätte dazu nicht gewirkt. Hey, dies ist keine Kurzgeschichte.)

Und was sagt nun dieses Gesetz? Es sagt, dass es bei der Arbeitsteilung nicht auf den absoluten Vorteil, sondern auf den relativen - komparativen - Vorteil ankommt. Es sagt nicht weniger aus, als dass selbst der allen Anderen Überlegene einen Vorteil daraus ziehen kann, mit anderen zu handeln; und dass selbst der in allem den Anderen Unterlegene der Gesellschaft etwas geben und ebenfalls einen Nutzen aus jenem Tausch ziehen kann.

Mises lässt sich aus diesem Grund gar dazu hinreißen von einem Ricardo'schen "Vergesellschaftungsgesetz" zu sprechen:
"Das Vergesellschaftungsgesetz lässt uns den Weg der Arbeitsteilung erfassen. Wir können nun begreifen, was die Einzelnen dazu getrieben hat, sich nicht als Konkurrenten im Kampfe um die Aneignung von Unterhaltsmitteln, die die Natur nur in beschränktem Masse zur Verfügung gestellt hat, zu betrachten; wir vermögen zu begreifen, was sie veranlasst hat und fortdauernd veranlasst, sich zu gemeinsamem Handeln zusammenzuschließen." [Miese1940, S. 128]
Ich wollte erst ein eigenes Beispiel ausarbeiten, um das Prinzip zu verdeutlichen, aber da dies schon andere gemacht haben und ich hier über Arbeitsteilung schreibe, verweise ich zum einen auf den oben verlinkten Text und zum anderen noch auf die Begründung, warum auch Superhelden vom Handel profitieren.


Anmerkung:
Den Titel habe ich von Paul Krugman geklaut, der in einem gleichnamigen Artikel diskutiert, warum es gerade Intellektuellen so schwer fällt das Gesetz vom komparativen Vorteil zu akzeptieren.

Literatur

[Mises1940] von Mises, Ludwig; 1940; "Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens"