Dienstag, 18. August 2009

Marktwirtschaft abschaffen

Warum nicht die Marktwirtschaft abschaffen? Was spricht eigentlich gegen eine zentral geplante Wirtschaft?

In Gesprächen wird mir oft gesagt, dass die Marktwirtschaft zwar ihre Berechtigung hätte (warum?) aber für die wirklich wichtigen Dinge, wie z.B. Bildung oder Gesundheitsversorgung, ginge das nicht. Hier muss der Staat ran.

Mit der Logik komme ich nicht ganz klar, oder anders: Ich verstehe nicht, wieso meine Gesprächspartner in anderen Bereichen marktwirtschaftlich verfasste Subkulturen tolerieren? Hat es was mit Mitleid zu tun? Wollen sie den ewig Gestrigen einige Räume lassen in denen diese - unter Ausschluss der genannten wichtigen Bereiche - gefahrlos Kapitalismus spielen dürfen?

Sehr wahrscheinlich denke ich nur zu verquer. Denn wenn ich wichtige und kritische Aufgaben zu vergeben habe, dann werde ich - denke ich mir zumindest - nur den Besten der Besten mit diesen Aufgaben betreuen.

Ich werde meine Gesundheit oder die Erziehung und Bildung meiner Kinder nicht in die Hände des Zweitbesten legen; und ich vermute mal, dass dies für die Menschen im Allgemeinen gilt. Wenn die Menschen also die staatliche Steuerung für diese Bereiche gewählt haben, dann doch nur, weil staatliche Steuerung das Beste ist was sie unter den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten finden konnten.

Wenn wir also mit dem Staat diesen genialen Problemlöser an der Hand haben, wieso begnügen wir uns in anderen Bereichen immer noch mit der schlechteren Lösung des Marktes? Wenn der Staat seine Kompetenz schon in den wirklich wichtigen und kritischen Bereichen gezeigt hat, dann sind für ihn die weniger wichtigen Bereiche unseres Lebens doch mit Leichtigkeit zu bewältigen - und wir würden von der besseren Aufgabenbewältigung doch nur profitieren.

Warum tun wir uns aber trotzdem noch an der einen oder anderen Stelle den Markt an? Ich verstehe es nicht.

Kommentare:

  1. Stimmt nicht, in allen Bereichen gibt es heute auch private Alternativen. Du kannst bei der Bildung von Kindergarten über Schule bis zur Uni im privaten Bereich wählen. Du kannst dich privat krankenversichern und hast freie Wahl deiner Ärzte. Wir haben also faktisch kein staatliches Schulsystem, sondern ein duales. Du kannst wählen und das ist sicher die beste Alternative, weil wir nie zu einem Konsens kommen werden, ob nun zentral gelenkt oder dezentral besser ist.

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  2. Es freut mich natürlich das zu hören.

    So etwas wie z.B. eine "Jahresarbeitsentgeltgrenze", die es einem Angestellten unterhalb eines bestimmten Einkommens gesetzlich verbieten in eine private Krankenversicherung zu wechseln gibt es also nicht?

    Auch habe ich die Möglichkeit das Entgelt, welches ich bei Beschulung meiner Kinder durch eine staatliche Institution an diese zu entrichten habe, bei Nichtinanspruchnahme deren Leistung nicht zu zahlen und stattdessen an eine entsprechende private Einrichtung zu entrichten?

    Selbstverständlich habe ich auch die Möglichkeit meine Kinder ganz außerhalb einer klassischen Schulform zu unterrichten?

    Und es gibt auch sonst keine Monopole, die - sei es durch direktes Verbot, oder eben durch indirekte Maßnahmen, wie z.B. Subventionen - staatlich gegenüber anderen Alternativen bevorteilt werden?

    Denn wenn dem so wäre, fände ich es geradezu ironisch, dass bei solcher Art von Gesetzen nur die "Reichen" die Möglichkeiten eines solchen "dualen Systems" voll ausnutzen könnten (weil sie sich entweder oberhalb entsprechender Einkommensgrenzen befinden oder weil sie es sich eben leisten können, neben den staatlichen Zwangsbeiträgen trotzdem noch zusätzlich private Leistungen zu bezahlten, oder weil sie gesetzlich privilegiert sind [Vor dem Gesetz sind alle gleich?]), während die "Armen" von einem "dualen System" nichts mitbekommen.

    Aber das war glaube ich das Prinzip des Sozialstaats, richtig? Die "Armen" gegenüber den "Reichen" benachteiligen?

    Gott sei Dank ist dem aber ja nicht so...

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  3. Oder zusammengefasst:

    Unter einem dualen System würde ich verstehen, dass der Staat zwar Alternativen zu den privaten Angeboten bereitstellt, die Bürger jedoch durch keine direkte oder indirkete staatliche Maßnahme gezwungen sind das staatliche Angebot auch zu nutzen.

    Staatliche und private Angebote müssten also gleichwertig sein, denn nur dann kann überhaupt von einer wirklichen Wahlmöglichkeit gesprochen werden.

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  4. Schön wäre sicher, wenn wir alle haargenau abrechnen könnten, wie jeder Cent unser Steuern verwendet wird. Dann könnte man tatsächlich sagen, dass man dir einen Teil deiner Steuern zurückgibt, wenn du die Schule nicht in Anspruch nimmst. Dieser Ansatz ist aber nun mal nicht praktikabel. Man sollte auch nicht vergessen, dass wir in einem Sozialstaat leben und damit auch die Bildung von Leuten finanzieren, die es sich selbst nie leisten könnten. Von daher würdest du so oder so nur einen Teil deiner Steuern erstattet bekommen.

    Ich persönlich bin froh, dass ich mich nicht um jeden Sachverhalt kümmern muss. Ich habe gar keine Lust mir Gedanken zu machen, wie sich nun welche Schule finanziert etc. Müsste ich dies alles selbst tun, würde signifikant Zeit darauf zu verwenden sein. Diese Zeit nutze ich lieber für spannendere Sachen. Der Staat nimmt mir also Aufgaben ab, was meinen Lebensalltag effizienter macht.

    Übrigens: Wie oft hast du selbst schon die Krankenkasse gewechselt? Theoretisch kann ich dies tun, aber auch hier bin ich träge, wegen ein paar kleinen Prozentpunkten hinter dem Komma mir Mühe zu machen. Auch das ist nicht praktikabel in der Praxis.

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  5. Hallo Sebastian,

    ich stimme dir zu (:-)) dass kein Mensch zur Unbequemlichkeit gezwungen werden soll. Ich selbst nutze die Möglichkeiten die der Markt mir bietet nicht voll aus. So bin ich schon seit Jahren bei ein und demselben Mobilfunkanbieter obwohl andere Anbieter wesentlich bessere Angebote haben.

    Sollte aber nicht ebenso gelten, dass umgekehrt kein Mensch zur Bequemlichkeit gezwungen werden soll.

    Sollen etwa, um das obige Beispiel aufzugreifen, nur weil ich mit meinem Mobilfunkanbieter zufrieden bzw. zu bequem zum Wechseln bin, deswegen auch alle anderen bei diesen Anbieter unter "Vertrag" bleiben (oder genommen werden) und der Wechsel zu anderen Anbietern verhindern oder zumindest erschwert werden?

    Zweifellos brachte die "Liberalisierung" des Telekommunikationsmarktes sehr viele Unbequemlichkeiten mit.

    Kommen wir aber zurück zur Schulproblematik. Man muss ja nicht alles auf einen Ruck machen, sondern kann ja in kleinen Schritten gehen:

    - Der erste und einfachste Schritt - da hier noch keine finanziellen Änderungen erfolgen - wäre die Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht. Da dies in anderen Staaten bereits existiert, kann es nicht so unpraktikabel sein.

    - Als nächstes könnten Bildungsgutscheine (somit noch Zweckgebunden) ausgegeben werden. Die Ausgaben je Schüler sind bekannt, was keine komplizierten Rechnungen erfordert und die "Sozial"staatlichkeit wird auch gewährleistet. Auch hierzu gibt es schon praktische Erfahrungen.

    Weitere Schritte wären noch möglich, aber schon mit dem ersten Punkt wäre ich sehr zufrieden. Und das Beste (für die die Kompromisse mögen): Für die Bequemen ändert sich nichts. Die gehen weiter zur staatlichen Schule wie bisher.

    Zusammengefasst: Die Schaffung von Wahlmöglichkeiten zwingt nicht zur Wahl. Man kann Bequemlichkeit genießen ohne dazu andere zur Bequemlichkeit zwingen zu müssen.

    Und da ich gerade ziemlich viel "Wahl" geschrieben habe, fällt mir ein:
    Auch diese ständigen Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen sind tierisch unbequem. "Ich habe gar keine Lust mir Gedanken zu machen," wen ich nun wählen soll. Sollen wir diese Wahlmöglichkeiten für alle nur deswegen beibehalten, weil es einige unverbesserliche Hansel gibt, die unbedingt die Wahl haben wollen?

    Wenn ich noch länger darüber nachdenke ist die Demokratie im Vergleich zur Diktatur doch sehr unpraktisch; und in einer Diktatur, bin ich mir sicher, würde mir der Staat noch mehr Aufgaben abnehmen, "was meinen Lebensalltag (noch) effizienter macht." ;-)

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