Direkt zum Hauptbereich

Das Sozialstaatsprinzip

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Heute ist ein großer Tag für unser Land. Ich muss in diesem Haus wohl niemanden darauf hinweisen, dass das Sozialstaatsprinzip einen integralen Bestandteil unserer Gesellschaft darstellt. Die Stärkeren stehen den Schwächeren bei, was sich vor allem darin zeigt, dass der Staat von denen die reichlich haben zu jenen umverteilt, denen es am Notwendigen mangelt. Im Wissen um diesen Konsens kann ich mich über die Skepsis und den Widerstand einiger Abgeordneter dieses Hauses gegen den vorgebrachten Gesetzesentwurf nur wundern. Ich möchte Ihnen deshalb noch einmal den nichthinnehmbaren Zustand ins Gedächtnis rufen, der uns zu diesem Gesetz motivierte:

Zurzeit warten über Zehntausend kranke Mitbürger auf eine Spenderniere. Viel zu viele zu lange und vergebens, denn leider werden durch freiwillige Spenden zu wenig der lebensnotwendigen Organe bereitgestellt. Und das in einem Land, in dem Millionen von Menschen zwei gesunde Nieren haben. Statt dass aber die in prekären gesundheitlichen Verhältnissen Lebenden an diesem gesellschaftlichen Reichtum beteiligt werden, müssen sie monate- und jahrelang auf eine gönnerhafte Spende warten und hoffen. Diese soziale Ungerechtigkeit können wir in einem fortschrittlichen Land wie dem unseren nicht mehr länger dulden.

Aus diesem Grund muss der Staat hier eingreifen, um eine Mindestgesundheitsversorgung sicherzustellen. Durch die gesetzliche Organbereitstellungspflicht wenden wir auch auf diesem Gebiet nur das bereits bewährte Prinzip der Umverteilung von den Habenden zu den Brauchenden an. Endlich können die gesunden Zweinierenbesitzer unter Androhung von strafrechtlichen Sanktionen zur Bereitstellung einer ihrer Nieren verpflichtet werden.

Aus diesem Grund entlarven sich auch Ihre Gegenargumente nur als das immer gleiche Lied der Besitzenden. Sie betonen immer das Recht des Einzelnen, des Individuums. Sie müssen aber endlich lernen, dass Einzelinteressen vor den Interessen der Gemeinschaft zurückzutreten haben, wenn es um das höhere Wohl Aller geht. Für einen solchen Egoismus ist in einer solidarischen Gesellschaft kein Platz mehr und deshalb hoffe ich, dass wir dieses wichtige Gesetz auch mit ihren Stimmen zum Wohle der Gesellschaft auf den Weg bringen werden.

Vielen Dank.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Utopie gesucht

In den 90er Jahren gab es meiner Meinung nach eine positive Zukunftssicht. Das sah man u.a. in der Serie Star Trek The next generation. Heute dagegen scheint es nur noch pessimistische Blicke auf die Zukunft zu geben. Auch die aktuellen Star Trek Serien stellen eine düsterere Welt dar. Dies könnte zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Gibt es in der aktuellen Popkultur noch Utopien?

Avatar - mit Glatze bitte!

Vor einigen Monaten kamen zwei neue Mitarbeiter in unser Team. Da einer von ihnen auch Martin hieß, führte das oft zu Verwechslungen und der Nachfrage „welcher jetzt?“ – vor allem in der Remote-Kommunikation. Beschreibungen wie „der zweite Martin“ oder „der andere Martin“ hielt ich für unpassend. Also schlug ich vor, dass ich von nun an einfach einen anderen Rufnamen erhalte und wählte: „Guybrush“. Damit das auch immer präsent ist, ersetzte ich auch mein Profilbild an allen mir möglichen Orten durch ein Pixelbild von Gybrush aus Monkey Island 2 : Wie erwartet, setzte sich das sehr schnell durch. Vor einigen Tagen wollte ich dieses Bild jedoch durch eine etwas auflösungsstärkere Variante ersetzen. Die gefundenen Bilder machten jedoch sehr deutlich, dass es doch erheblich an Ähnlichkeit mangelte. Vor allem die Haare entsprachen so gar nicht meiner Frisur. Also beschloss ich, dass dies doch mal ein guter Einsatz für einen AI-Bildgenerator wäre. Die zwei mit denen ich bisher gearbeitet h...

Verloren

Manchmal macht man dumme Sachen. Letzten Freitag war ich wieder beim Sport, zusammen mit dem jüngsten Kind, das gerne einmal Parkour ausprobieren wollte. Wir kamen an und ich zog mich um. Mein Kind hatte seine Sportsachen bereits an, was mir etwas missfiel da die Temperatur, meiner Meinung nach, noch nicht für eine kurze Trainingshose geeignet schien. Nachdem wir uns in der Gruppe warm gemacht hatten, war mir auch wirklich warm und auch ich entschied mich, meine lange Hose gegen eine kurze zu tauchen, was das jüngste Kind mit einer entsprechenden ich-hab's-dir-doch-gesagt Bemerkung kommentierte. Allerdings musste es selbst zur langen Hose wechseln, da seine kurze zu groß war und deshalb rutschte. Selbstverständlich garniert mit einem gut-das-der-Papa-dran-gedacht-hat Satz. Damit stürzen wir uns also ins Vergnügen, sowie über Kästen, auf Türme, gegen Wände, in Matten und über Stangen. Da ich jedoch ankündigte, dass ich das Kind nicht jedesmal mitnehmen werde, da ich selbst sonst nic...