Sonntag, 22. Februar 2009

Keine Angst vorm Manchester-Liberalismus

Ich recherchiere gerade etwas über das 19. Jahrhundert und die Industrielle Revolution, was sich jedoch noch etwas hinziehen wird.

Im Geiste von Open Science möchte ich jedoch bereits einige Quellen vorstellen; zum Thema "Manchester-Liberalismus".

Die heute gängige Vorstellung einer Ideologie, die nur auf das Eigeninteresse und die Vorteile der "Reichen" bedacht war und des Staates als Hüter des Gemeinwohls und Beschützer der Armen, der sich im 19. Jahrhundert völlig aus der Wirtschaft heraushielt, wird in den angeführten Texten als nicht ganz korrekt präsentiert.

Vielmehr zeigt sich, dass die Interventionen des Staats die Lage der Armen verschlechterte und durch das Zurückdrängen des Staates verbessert wurde. Ich werde darauf hoffentlich später noch genauer eingehen können.

Gerecht ist nur die Freiheit von Richard Herzinger und
Mythos Manchestertum von Detmar Doering

Kommentare:

  1. Was soll dabei rauskommen? Wie immer wird sich zeigen, dass Realität und Theorie eben merkwürdigerweise nicht aufeinander passen. Mag ja sein, dass in der Theorie der Manchesterkapitalismus eine tolle Sache war und nur durch den bösen Staat vernichtend für die Masse an Arbeitern wurde. Der Umkehrschluss, dass die reine Lehre funktionieren würde, ist damit noch lange nicht gegeben.

    Übrigens, es hat nichts mit Wissenschaft zu tun, sich mit solchen Büchern auseinander zu setzen. Genausogut könnte ich das "Schwarzbuch des Kapitalismus" lesen, um das Gegenteil zu "beweisen".

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  2. Nun es wird sich zeigen, dass die Theorie eben sehr wohl mit der Realität übereinstimmt.
    Genau deswegen führe ich ja die entsprechenden Quellen an, weil sie eben empirisch die Theorie "bestätigen" bzw. (viel wichtiger) die gegenteiligen Theorie, dass nämlich freie Martkwirtschaft zu Armut führe und Staatsinterventionen Wohlstand schaffe, widerlegen (falsifizieren).

    Was, wenn nicht das Prüfen von Theorien an der Wirklichkeit, ist dann Wissenschaft?

    Das "Schwarzbuch des Kapitalismus" war mir da eine Hilfe, da ich dadurch erst auf entsprechende Quellen, auf die darin Bezug genommen wird, aufmerksam wurde.

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  3. Oder anders:
    Du hast natürlich völlig recht, dass ich damit nicht beweisen kann, dass Freihandel zu mehr Wohlstand führt. Das ist hierbei aber auch nicht meine primäre Absicht.

    Die Industrielle Revolution wird ja bisher immer als Beweis dafür angeführt, dass die Marktwirtschaft/Freihandel ins Elend führt.

    Diese Aussage möchte ich untersuchen und evtl. falsifizieren.

    Ich kann also damit zwar nicht beweisen, dass Freihandel zu mehr Wohlstand führt, aber ich könnte evtl. zumindest zeigen, dass Freihandel nicht zur geringerem Wohlstand führt.

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  4. Bei der Falsifikation musst du zunächst deine Grundhaltung ermitteln und versuchen diese zu widerlegen. Du bist ein Befürworter des Freihandels. Deine Aufgabe ist also, die Theorie des Freihandels zu widerlegen.

    Bücher sind keine gute Quelle für empirische Arbeiten. Handelt es sich bei den Autoren nicht um anerkannte Wissenschaftler, sollte man Bücher meiden. Bücher unterliegen keinem Peer Review und jeder kann praktisch alles in einem Buch behaupten. Du müsstest dich also auf Journalartikel in einem anerkannten volkswirtschaftlichen Journal beziehen. Dein erster Schritt könnte also sein, überhaupt mal zu schauen, ob es in anerkannten Journal, also einem Journal mit einem hohen internationalem Ranking, überhaupt Artikel zur freien Wirtschaftslehre gibt.

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  5. Nur mal ein paar Fragen zum besseren Verständnis:

    Bücher von "anerkannte Wissenschaftlern" wären als Quelle akzeptabel?

    Mir geht es bei meinen Nachforschungen auch gar nicht um den Freihandel allgemein, sondern um die Zustände im 19. Jahrhundert.

    Sehe ich es in diesem Zusammenhang außerdem richtig, dass ich mich, wenn ich die Behauptungen vom kapitalistisch verursachten Elend hinterfrage, auf anerkannte wissenschaftliche Quellen stützen muss (was ja auch völlig korrekt ist); aber wenn ich beweisen will, dass der Kapitalismus zu Chaos und Armut führt, reicht der Verweis auf einen Roman?

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  6. Bücher von "anerkannten Wissenschaftlern" sind generell nicht gerne gesehen und eher eine Notlösung. Sie sind möglich, wenn ein Wissenschaftler z.B. seine vorher in mehreren Papern veröffentlichte Arbeiten zusammenfasst.

    Einen Roman haben wir hier nicht diskutiert. Allerdings zeigen die unzähligen Arbeiteraufstände und die Arbeiterkämpfe bis ins 20. Jahrhundert, dass die Situation nicht wirklich rosig war, obwohl wir einen wesentlich liberaleren Markt hatten als heute.

    Ansonsten, wenn die freie Wirtschaftslehre so wesentlich besser wäre, hätte sie sich wahrscheinlich auch irgendwo durchgesetzt. Da dies bis heute nicht passiert ist, muss sie gesellschaftlich nicht akzeptabel sein.

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  7. Einen Roman haben wir hier nicht diskutiert, das ist richtig. Allerdings wurde mir einmal empfohlen, den Roman "Germinal" von Émile Zola zu lesen, der zeige, dass eine freiheitliche Gesellschaft ins Chaos führe. Solche Romane, wie z.B. auch jene von Dickens, werden meistens unkritisch als wahrheitsgetreue Schilderung (inklusive der Analyse der kausalen Zusammenhänge) jener Zeit betrachtet.

    Wird jedoch ein Sachtext präsentiert, der jene belletristischen Darstellungen hinterfragt, wird dieser nur dann als lesenswert erachtet, wenn er mindestens in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht wurde. Zweierlei Maß? Sei's drum.

    Selbstverständlich waren die Lebensverhältnisse im 19. Jh. schlechter als heute, aber was waren die Ursachen dafür? Und was waren die Ursachen für die Verbesserungen (die es ja gegeben haben muss, sonst würde es uns ja heute nicht besser gehen)? (Die Unterschiede durch die fast 200 Jahre längere Kapitalbildung ignorieren wir vorerst mal.)

    Führen z.B. Getreidezölle, welche ja den freien Handel behindern, nicht zu einer Verteuerung der Lebensmittel und damit zu einer Verminderung des Lebensstandards? Und führt eine Abschaffung dieser Zölle zu mehr Armut, weil ja nun der Markt "freier" ist?

    Erschweren Gesetze, welche eine Höchstgrenze für Zinsen festsetzen, nicht, sich Kapital zu beschaffen, um z.B. Häuser zu bauen? Insbesondere, wenn der Staat sich selbstverständlich von seinen eigenen Gesetzen ausnimmt und Kredite über der Höchstgrenze aufnimmt und damit den Preis für Kapital entsprechend hoch hält (und damit natürlich auch die Kosten für Wohnraum)?

    Oder führen Steuern auf Fenster etwa nicht zu einer entsprechenden Abnahme selbiger durch z.B. Zumauern, und die damit entstehenden lichtlosen Wohnräume zu einer Verschlechterung der Wohnverhältnisse?

    Aber höchstwahrscheinlich unterliege ich auch einfach einer völlig falschen Auffassung von "Freiheit"; und Zölle, Steuern, Eingriffe in die Vertragsfreiheit also kurz die Missachtung von Privateigentum ist die Grundlage einer "freien Wirtschaft".

    Ist an Missernten durch schlechte Wetterverhältnisse mit den darauffolgenden Hungerkrisen auch die Marktwirtschaft schuld?

    Aber mal anders: Kann mir bitte jemand erklären, wie es durch die Achtung von Privateigentum zu jenen Zuständen kommen kann, die in der erzählenden Literatur beschrieben sind?

    Was die Durchsetzung der Marktwirtschaft angeht sieht es dennoch ja Gott sei Dank (noch) nicht so schlecht aus. Gesellschafte mit einer freieren Ordnung haben einen höheren Wohlstand als jene mit autoritäreren Strukturen. Und auch innerhalb der Gesellschaft sind eher jene Sektoren produktiver und menschlicher, in denen die Achtung des Individuums und dessen Eigentums noch stärker ausgeprägt ist, als in anderen.

    Dass die Menschen dennoch immer bereit sind sich ins eigene Fleisch zu schneiden und sich die Hölle auf Erden zu bereiten, hat die Geschichte des "verdammten" 20. Jahrhunderts ja zur Genüge gezeigt.

    Solange die Menschen glauben, dass Freiheit ihnen schade, dass Eingriffe in das Leben der Anderen ethisch vertretbar seien und dass für das "Größere Wohl" alle Mittel recht sind, wird sich daran auch nicht all zu schnell etwas ändern.

    Da hilft nur Aufklären. Mehr kann man nicht machen; und schließlich sind wir ja nicht am Ende der Geschichte.

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