Samstag, 7. August 2010

Argumentationskultur

Ein Großteil der politischen Positionierungen und Auseinandersetzungen in Blogs und Foren (gleichgültig welcher Ausrichtung) erfolgt nach folgenden Prinzip: Ich verfolge gute, edle, moralische Ziel und die Mittel, Wege und Maßnahmen die ich vorschlage sind dazu geeignet, diese Ziele zu erreichen. Wenn Du gegen meine Vorschläge bist, dann nur, weil Du gegen die Ziele bist, die ich verfolge. Deine Ziele sind folglich böse, niederträchtige und selbstsüchtig.

Diese Methode ist gut für das Ego und das einem zugeneigte Publikum, der Sache jedoch und den zu erreichenden Zielen schadet es. Denn auch wenn es schwer fällt es zuzugeben: Sehr wahrscheinlich strebt mein Gegenüber nach den gleichen Zielen.

Diese Erkenntnis erlaubt uns zwar nicht mehr, uns auf ein moralisches Podest zu stellen, sondern zwingt uns auf den Boden der Argumentation, was verbunden ist mit der Gefahr selbst widerlegt zu werden.

Aber wiegt der Gewinn den wir davon tragen - Überzeugen eines ehemaligen Gegners, aber eben auch Abkehr von unseren falschen Überlegungen, was beides unseren Zielen zum Vorteil gereicht - nicht schwerer als die Verletzung unseres Stolzes? Leichter gesagt als getan.

Rolf W. Puster jedenfalls forderte zu solch einer mittelbezogenen Diskussion in seiner Rede auf dem diesjährigen Libertären Jahrestreffen auf:
"Bei allem Verständnis für die libertäre Aversion gegen die gutmenschlichen Dauerappelle an unser soziales Gewissen - die libertäre Botschaft hat weit mehr zu bieten, als nur das Klischee des kaltschnäuzigen Yuppies zu bedienen. Es scheint mir daher eine inhaltliche Verengung und eine strategische Torheit zugleich zu sein, das ungehobene Potenzial der libertären Botschaft einfach links liegen zu lassen."
Nicht gegen die "linken Ideale""einer von Armut, Hunger und Krankheit freien Welt", die selbst man ja sehr wahrscheinlich teilt, solle man argumentieren, sondern gegen die Mittel die typischerweise zu ihrer Erreichung vorgeschlagen werden.
"Das ungehobene Potenzial der libertären Botschaft sehe ich in ihren Antworten auf die Frage, wie sich die linken Ideale der Weltverbesserung am besten realisieren lassen: Wer eingesehen hat, dass zentralplanerische Zwangsausübung die Erreichung der besagten moralischen Ziele nicht nur nicht befördern kann, sondern geradezu verunmöglichen muss, der wird bereit sein, der Freiheit eine Chance zu geben. Es sind also argumentativ vermittelbare ökonomische Einsichten, die die folgende, paradox anmutende Wirkung haben können: Aufgeklärte Linke werden zu Libertären, die den Sozialismus bekämpfen, weil sie seine Unfähigkeit, die Welt wirklich zu verbessern, durchschaut haben."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen