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Fersehen ist nicht alles

Im Blog Staunen & Wundern stieß ich auf einen Eintrag, den ich hier gerne in Form eines eigenen Beitrags kommentieren möchte.

Auf den Blogautor wurde ich aufmerksam durch seine überlegten und erfrischend sachlichen Kommentare im Diskussionsbereich des ef-magazins. Ein Niveau, das ich leider allzu oft bei mir selbst vermisse.

In dem erwähnten Beitrag geht es um die Bereitstellung des Rundfunkangebots durch die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten. Der Autor befürwortet diesen Zustand, da die öffentlich-rechtlichen Sender ein Angebot bereitstellen würden, welches ohne sie nicht zur Verfügung stände. Begründen tut er dies mit der Feststellung, dass es auf dem Fernsehmarkt keinen funktionierenden Marktmechanismus gäbe, der einen gezielten Kauf von Produkten zu einem definierten Preis ermögliche.

Ich halte diese Überlegung jedoch für voreilig und ungenügend durchdacht, denn kann ich auf diese Weise nicht für jeden Markt zeigen, dass kein Marktmechanismus existiert - wenn ich ihn nur genügend abgrenze?

Wenn ich nur die Straße um die Ecke betrachte und dort nur einen Imbiss sehe, kann ich dann daraus schließen, dass in dieser Straße der Gastronomiemarkt nicht funktioniert, weil dieser Imbiss ja eindeutig ein Monopol inne hat? Und außerdem bietet dieser Imbiss nur Pommes und Currywurst an, aber keinen Salat oder frisches Obst, was für mich als Vegetarier nur ein Versagen des Marktes sein kann.

Ich hoffe doch, dass man mich dann völlig korrekt darauf hinweist, dass ich nicht nur eine einzelne Straße betrachten darf, sondern dies zumindest für das gesamte Viertel, den Stadtteil oder gar die ganze Stadt tun sollte. Auch sollte ich nicht nur Imbisse einbeziehen, sondern auch Gaststätten, Kneipen, Cafes und vielleicht sogar Supermärkte.

Und selbst wenn dann immer noch nicht das von mir gewünschte Produkt angeboten wird (z.B. Tofuburger mit Algenbelag) ich aber der Meinung bin, dass danach eine riesige Nachfrage besteht, gilt es zu analysieren, wie hoch die Hürden sind, um dieses Produkt selbst anzubieten - also wie hoch die Markteintrittsbarierren sind.

Und nur wenn diese unüberwindlich sind, kann meinetwegen von einem unfreien Markt gesprochen werden.

Reicht es also, um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen, aus, nur den Fernsehmarkt zu betrachtet oder sollte man unter Beachtung der Funktionen des Fernsehens doch eher die kompletten Informations-, Unterhaltungs-, Nachrichten- und Bildungsmärkte betrachten?

Dann wird das Fernsehen aber sogleich mit Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, Seminaren, DVDs, Theatern, Kinos, Freizeitparks, Spieleabenden und neben noch vielem anderen, nicht zu vergessen, dem Internet als Konkurrenten konfrontiert.

Und hier stellen sich mir nun folgende Fragen:

Ist jenem, der das Fernsehen als Quelle von Unterhaltung und Zerstreuung betrachtet, nicht evtl. besser gedient, wenn er die GEZ Gebühren in das Ausleihen von DVDs oder das Abo einer Online-Videothek investiert? Oder in den Besuch von Kinos oder Theatern?
Und wird der Freund des Voyeurismus nicht sowieso bei den Privatsendern besser bedient?

Würde jener, der Bildung sucht zum Fernseher greifen oder die GEZ-Gebühren eher zum Kauf von Fachzeitschriften, Büchern oder zur Finanzierung von Kursen und Seminaren verwendenden?

Kommt jener, der immer aktuell, ausführlich und differenziert informiert sein will, mit dem Abonnement einer Tages- oder Wochenzeitung nicht auch und evtl. sogar besser an sein Ziel?

Und können nicht inzwischen alle drei zusammen im Internet ihre Wünsche auch reichlich erfüllen und dort sogar obendrein von ihnen vermisste Angebote durch eigenes Tun, mit so geringen Kosten wie nie zuvor, bereitstellen?

Ist das Fernsehen (oder auch das Radio. Auf Internetradio bin ich jetzt gar nicht eingegangen) wirklich das einzige Medium, dass unsere Wünsche nach Unterhaltung, Wissen und Kommunikation erfüllen kann? Und ist diesen Medium so wichtig, dass wir einen Dienst innerhalb dieses Mediums mit einer Zwangsgebühr finanzieren müssen, die wir so nicht mehr zur eigenen Verwendung haben?

Ist also, auf den Punkt gebracht, der Nutzen für den einzelnen den er aus den öffentlich rechtlichen Sender zieht größer als der Nutzen den er gewinnen würde, wenn er jene Gebühren nach eigenem Willen verwenden könnte?

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