Mittwoch, 10. Juni 2009

Gedankenschnipsel: Freiwilligkeit

In den letzten Tagen habe ich - auch in Bezug auf den letzten Eintrag - über Freiwilligkeit und Zwang nachgedacht. Wann ist eine Handlung also freiwillig und wann erfolgt sie unter willkürlichen Zwang.

Ich kam dabei nicht so ganz auf einen befriedigenden Punkt. Ich hatte zwar einige interessante Überlegungen dazu, die aber - bildlich gesprochen - doch noch ziemlich frei schwebend sind und bei etwas stärkerer Betrachtung immer wegflutschen :-).

Jetzt kam mir aber eine Idee, die zwar noch keine tolle vollendete Theorie liefert, die aber vielleicht gut als Ausgangspunkt weiterer Betrachtungen dienen kann:

Ich glaube, dass Freiwilligkeit einer Handlung nicht objektiv festgestellt werden kann, sondern nur eine subjektive Charakterisierung ist.

Ein Mensch handelt dann freiwillig, wenn er glaubt, dass er freiwillig handelt. Und dementsprechend auch umgekehrt: Ein Mensch handelt dann unfreiwillig, wenn er glaubt, dass seine Handlungen unfreiwillig sind.

Das ist zwar vor allem für mich keine befriedigende Aussage, weil ich nun nicht mehr sagen kann, diese und jene Organisation der Gesellschaft führt zu mehr Freiheit oder eben Unfreiheit. Es hängt also nach obiger Aussage von den jeweiligen Menschen ab, wie sie die Verhältnisse subjektiv empfinden.

Dennoch glaube ich, dass ich mit diesem Ansatz in meinen Überlegungen weiterkomme als mit einem objektiven Ansatz. Auch dürften sich in Diskussionen mit diesem Argument einige Streitigkeiten auflösen lassen.

Was halten meine (beiden :-)) Leser davon?

Kommentare:

  1. Sind wir wirklich nur zwei? :-) Ich dachte unsere Namen wären Legionen...

    Freiwilliges kann man gewollt unterlassen, Zwänge nicht.

    Sind Freiwilligkeit und Zwang subjektiv? Den Willen etwas zu tun oder nicht zu tun sieht man bisher von außen noch nicht so gut. Da weiß ich gar nicht so genau wie weit die Computertomographie momentan ist. Vielleicht sieht man ja doch etwas.

    Allerdings stellt sich auch wieder die Frage, was denn nun eigentlich ein freier Wille ist. Dazu hatte ich kürzlich ein interessantes Gespräch, dessen Ende dann in der Küche geführt wurde.

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  2. Ich habe dabei gar nicht die neurologischen Aspekte im Blick, sondern eher die soziologischen, also zwischenmenschlichen. Es geht mir nicht um Zwänge, die uns von "der Natur" auferlegt sind, sondern um jene, die von anderen Menschen ausgeübt werden.

    Ein Mensch bedroht einen anderen Menschen mit einer Waffe und fordert diesen auf etwas Bestimmtes zu tun, ansonsten würde ihn erschießen.

    Der eine sagt in einer solchen Situation als Opfer: "Du kannst mich nicht zwingen. Ich habe immer noch die Wahl mich zwischen der von dir geforderten Handlung und dem Tod zu entscheiden."

    Ein anderer in der gleichen Situation sagt: "Du zwingst mich zu dieser Handlung, da ich nicht sterben will. Ich habe keine Wahl."

    Der erste ist der Meinung er handele freiwillig (also nicht unter dem willkürlichen Zwang eines anderen Menschen). Die Sicht des Zweiten ist, dass er von dem Täter zu einer Handlung gezwungen wird, also unfreiwillig handelt.

    Ich habe nun versucht objektive Kriterien dafür zu finden, woran ein außenstehender Beobachter erkennen kann, ob ein willkürlicher Zwang vorliegt und wer wen zwingt. (Es gibt welche, nur bin ich mir nicht sicher, ob die gut sind.)

    Ich glaube nun inzwischen, dass mir das nicht gelingen wird und stelle mich deswegen auf die Position des oben genannten Ansatzes.

    Vielleicht finde ich aber ja doch noch objektive Kriterien (oder komme mit den Bestehenden ins Reine).

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  3. Jetzt habe ich vergessen, was ich eigentlich kommentieren wollte, aber zumindest ist das Kommentarfeld wieder da. War wahrscheinlich wirklich ein Browserproblem.

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